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Nur jeder Vierte steht zu seinen Schulden

Der Schweizer Schuldner Index belegt unter anderem, dass Personen, die in Quartieren mit hohem Ausländeranteil wohnen, viel häufiger in die Schuldenfalle tappen. Im Rahmen der zweiten Studie wird gezeigt, wie Schweizer Städte und Gemeinden mit offenen Rechnungen umgehen. Auffallend ist die Tatsache, dass ein rechtzeitiges Mahnen oft versäumt wird und so Millionen an Einnahmen aus Steuern, Gebühren etc. verloren gehen.

Der typische Schweizer Schuldner wohnt in der Stadt, vorzugsweise im Tessin oder in der Romandie, ist unter 30 Jahre alt, alleinstehend, lebt in einem Quartier mit hohem Ausländeranteil und ist Konsumeinsteiger. Dies zeigt die neue Studie zum Schweizer Schuldner Index von Intrum Justitia. Das auf Kreditschutz und Forderungsmanagement spezialisierte Unternehmen ist in der Schweiz Branchenleader. Pro Jahr werden mehr als 3.8 Millionen Kreditauskünfte über Firmen und Privatpersonen erteilt und rund eine Million Inkassofälle bearbeitet.
Im Rahmen des Schweizer Schuldner Index untersucht Intrum Justitia zwei Mal jährlich anhand von Schuldnerprofilen, wer seine Rechnungen am zuverlässigsten bezahlt. Gegenüber dem letzten Schweizer Schuldner Index vom Februar 2007 wurden die Datenbasis verbessert und das Modell verfeinert. Zudem wurde eine quantitative Befragung von Schuldnern integriert.

Resultate des Schweizer Schuldner Index 2007

Wohnquartiere: Steigt der Ausländeranteil, sinkt die Zahlungsmoral
Gewisse Wohnquartiere scheinen Menschen mit Geldproblemen förmlich anzuziehen. Besonders in Liegenschaften, Quartieren und Wohnorten mit hohem Ausländeranteil steigt das Risiko für nicht bezahlte Rechnungen. Sobald der Ausländeranteil dort über 35 Prozent beträgt, sinkt die Zahlungsmoral deutlich, und das Verschuldungsrisiko ist fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt. Das konnte mit dem neuen Schweizer Schuldner Index erstmals belegt werden. Doch es sind nicht nur, wie man nun annehmen möchte, die Ausländer, welche ihre Rechnungen nicht bezahlen: Auch die in den genannten Quartieren lebenden Schweizer sind nicht viel zuverlässiger, wenn es um die termingerechte Begleichung der ausstehenden Rechnungsbeträge angeht.

Die Steuerrechnung wird gern hinausgeschoben
Wenn der durchschnittliche Schweizer bezahlt, dann nicht willkürlich: Er hat seine Prioritäten, wie die Resultate einer repräsentativen Befragung im Rahmen des Schweizer Schuldner Index erstmals klar zeigen. Wichtig sind ihm vor allem jene Rechnungen, welche seine Grundbedürfnisse abdecken. Zuerst bezahlt er den Mietzins, seine Krankenkassen- und Arztrechnungen. Auch Strom, Gas und Wasser sind ihm noch relativ wichtig. Weniger zuverlässig und darum eher spät werden Kreditraten, Telefon-, Internet- und TV- Gebühren bezahlt. Steuern schliesslich folgen an zweitletzter Stelle in der Prioritätenliste. Noch weiter hinausgeschoben werden nur noch die Forderungen des Versandhandels.

Tabuquote: Viele Schuldner leugnen ihre Schulden
Wer Schulden hat, steht oft nicht dazu: In der Schweiz scheinen Schulden das letzte grosse Tabuthema zu sein. Bei einer anonym durchgeführten Umfrage stritten 73 Prozent der befragten Schuldner ab, sich in den letzten zwölf Monaten verschuldet zu haben. Auffallend ist dabei, dass verschuldungsgefährdete Gruppen wie zum Beispiel Jugendliche oder Romands eher zu ihren Schulden stehen als weniger gefährdete Gruppen. Insbesondere ältere Frauen aus der Deutschen Schweiz geben nur ungern zu, mit finanziellen Problemen zu kämpfen.

 

Studie Sommer 2007
Erstmals Umfrage in Städten und Gemeinden zu Zahlungsverlusten

Steuern um 1.6 Prozent senkbar
Intrum Justitia hat im Frühjahr 2007 im Rahmen einer Umfrage sämtliche Schweizer Gemeinden und Städte aller Landesregionen zum Thema Debitorenmanagement angeschrieben. Ziel der Umfrage war, die Zahlungsverluste zu analysieren und Verbesserungspotenzial auszuloten. Der gesamte Ausstand an Verlustscheinen in der Schweiz betrug zum Zeitpunkt der Befragung rund CHF 1.7 Milliarden.
286 Städte und Gemeinden nahmen an der Umfrage teil und füllten den Fragebogen aus. Die Auswertungen zeigen klar: Auch in den Schweizer Gemeinden und Städten häufen sich hohe Zahlungsverluste. Jedes Jahr gehen so Millionenbeträge durch nicht bezahlte Rechnungen verloren. Dabei könnten, würde jeder Bürger seine Steuerrechnung rechtzeitig bezahlen, jährlich Millionen eingespart und sogar die Steuern um rund 1.6 Prozent gesenkt werden.

Mahnungen per SMS oder E-Mail würde die Zahlungsquoten verbessern
Schweizer Gemeinden warten oft viel zu lange (52.4 Tage) mit dem Versand der ersten Mahnung. Und gerade dies ist fatal: Die Erfahrung von Intrum Justitia zeigt nämlich, dass die Chancen, ausstehende Forderungen zu erhalten, umso grösser sind, je früher die Mahnungen verschickt werden. Die schriftliche Mahnung ist immer noch die mit Abstand beliebteste und meistgenutzte Mahnungsform bei Schweizer Gemeinden. Viele scheuen sich, die säumigen Zahler mit modernen Kommunikationsmitteln wie SMS oder E-Mail auf ihre Verpflichtungen aufmerksam zu machen. Mit diesen Methoden könnten die Zahlungsquoten nachweislich verbessert werden. Oft fehlt den Gemeinden dafür jedoch das nötige Know-how bezüglich modernster Technologie im Debitorenmanagement. Gemäss Umfrage haben die Gemeinden durchschnittlich Verlustscheine in der Höhe von CHF 808'538.- Hier ist - insbesondere in den Bereichen Verlustscheininkasso, rechtliches Inkasso und Abtretung/Verkauf von Forderungen - Nachholpotenzial vorhanden.

 

Kontakt:
Dr. Bettina Bickel-JaquesMediensprecherin Intrum Justitia
Tel. 044 455 56 66
E-Mail: bettina.bickel@piar.ch