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Dem Finanzmarkt stehen unruhige Zeiten bevor.

Dem Finanzmarkt stehen unruhige Zeiten bevor.

Sind die Unternehmen das Problem oder der Kunde?

Unternehmen müssen in Deutschland trotz positiver Entwicklung mehr als 100 Milliarden Euro abschreiben. Hinzu kommen viele weitere Milliarden Euro, die zu spät gezahlt werden. Ausbleibende oder verzögerte Umsätze haben negative Konsequenzen für die Unternehmen. Im Durchschnitt mussten in Deutschland 1,7% der Forderungen aus dem Jahresumsatz 2018 als uneinbringlich abgeschrieben werden, weil keine Zahlungen mehr zu erwarten sind (1,6% in 2018). Der europäische Vergleichswert beträgt 2,3% (1,7% im Vorjahr). Überraschend ist nach wie vor, dass 25% der befragten Unternehmen in Deutschland keinerlei Instrumente einsetzen, um Zahlungsausfälle zu vermeiden.

Dies geht aus der internationalen Studie „European Payment Report“ (EPR) hervor, die das Zahlungsverhalten und die finanzielle Solidität von insgesamt 11.856 europäischen Unternehmen in 29 Ländern untersucht hat. Den kostenlosen Report erhalten Sie hier.

Die europäische Wirtschaft schwächt sich ab, und in einigen Ländern ist ein wirtschaftlicher Rückgang deutlicher absehbar. Die befragten deutschen Unternehmen schätzen trotz Warnmeldungen in den Medien das Risiko einer Rezession im eigenen Land generell deutlich geringer ein als der europäische Durchschnitt. Zum Beispiel erwarten 5% der Deutschen, dass innerhalb eines Jahres eine Rezession im eigenen Land eintreten wird versus 10% im EU-Durchschnitt. Unternehmer können bei einer drohenden Wirtschaftskrise effektive Vorkehrungen treffen, um sich auf den wirtschaftlichen Abschwung vorzubereiten, der ihre Einnahmen negativ beeinflusst. Wenn eine Rezession auch noch nicht unmittelbar spürbar ist, so sind doch die ersten Indikatoren deutlich erkennbar. Im Vergleich zum europäischen Durchschnitt planen deutsche Unternehmen vorrangig Ertragssteigerungen über den Ausbau des Vertriebs sowie an zweiter Stelle Kostensenkungen, um dem negativen Trend frühzeitig entgegen zu wirken.

25% der befragten Unternehmen setzen jedoch immer noch keinerlei Instrumente ein, um Zahlungsausfälle zu verhindern.

Eine zentrale Bedeutung für jedes Unternehmen ist die Planung
des Cashflows, denn finanzielle Stabilität ist die Grundlage
für Wachstum. Daher überrascht es nicht, dass verspätete
Zahlungen als problematisch angesehen werden und die Folgen
schwerwiegend sind. Wenn Rechnungen nicht fristgerecht
bezahlt werden, kann dies massive Folgen haben. Zahlungsverzug
kann zu Liquiditätsengpässen, Umsatzverlusten bis hin zu
einer existenziellen Bedrohung des Unternehmens führen. Dies
wiederum verhindert Wachstum und die Möglichkeit, neue Arbeitsplätze
zu schaffen.

Parallel zum wirtschaftlichen Abschwung beobachten wir auch die expansive Staatsverschuldung in verschiedenen Ländern, die nicht unwesentliche Risiken für den Finanzsektor beinhaltet.

Die aktuell in Rom praktizierte, exzessive Finanzpolitik wird für die Institute neue Belastungen mit sich bringen. Mehrere deutsche Banken sind recht stark in italienischen Staatstiteln engagiert: Laut Angaben der europäischen Bankenaufsicht halten deutsche Banken rund 32 Milliarden Euro an italienischen Staatsschulden. Sollte der italienische Staat seine Zahlungsverpflichtungen zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr bedienen können, wären die italienischen Banken gefährdet. Dies hätte unmittelbare, negative Auswirkungen auch auf den deutschen Finanzsektor.

Es mehren sich die potenziellen Gefahren und Anforderungen sowohl international, als auch auf dem Heimatmarkt, auf die sich deutsche Banken einstellen sollten. Die Erfahrungen der Vergangenheit lehren, dass in einer solchen Phase die Kreditausfälle auch in Ländern wie Deutschland deutlich ansteigen. Die Banken sind also gefordert, für ein solches Szenario schon heute die entsprechende Infrastruktur zu schaffen. Andererseits jedoch sind die Banken gehalten, ihre Kosten weiter zu senken. Vor allem Investoren und Finanzanalysten fordern die deutschen Kreditinstitute kontinuierlich auf, ihr Kosten-Ertrags-Verhältnis (CIR) zu verbessern. Damit stehen die Banken vor zwei entgegengesetzten Herausforderungen, die sich nur schwer miteinander in Einklang bringen lassen. Wie gelingt hier der Spagat zwischen den Kosten der steigenden regulatorischen Anforderungen, z.B. einer notwendigen Ausweitung der Forbearance Maßnahmen unter dem Druck der allgemeinen Kostenreduzierung?

Eine Lösung, diesen Widerspruch aufzuheben, ist ein Regelwerk, das den Abbau von notleidenden Krediten effizient gestalten kann. Der NPL Action Plan der EU vom 14.03.2018 definiert die wesentlichen Schritte:
1. Installation einer Bankenaufsicht
2. Reform der Regelungen für Insolvenz und Schuldenbeitreibung
3. Entwicklung von Sekundärmärkten für notleidende Kredite
4. Umstrukturierung des Bankensystems

Mit diesem aktuellen Regelwerk hat die Finanzindustrie die Chance, einen hocheffizienten Markt zu schaffen, in dem NPLs effektiver und schneller in einen erfolgreichen Recovery Prozess übergeleitet werden können. Die EU kann hier den von der EZB vorgegeben Rahmen unterstützen.

Doch wie muss sich die Finanzindustrie parallel zu den konjunkturellen Themen in Zukunft aufstellen, wenn sie auf Dauer in ihrem digitalisierten Kerngeschäft wettbewerbsfähig bleiben will?

Im Grunde geht es zunächst um eine agile Unternehmensführung. Dafür braucht es mehr als flexibles Denken und Handeln. Es geht verstärkt darum, offen zu sein für Neues sowie Impulse von außen aufzunehmen. Das setzt voraus, dass Organisationen ein proaktives Handeln fördern und neue Trends schnell antizipieren. Dies alles braucht entsprechende Ressourcen von Mitarbeitern und Zeit. Denn es bringt nichts, nach außen scheinbar flexibel aufzutreten und in der eigenen Organisation nicht die notwendigen Ressourcen für eine solche Wandlungsfähigkeit bereitzustellen. Eine agile Unternehmensführung ist übrigens keine Herausforderung, die nur das Finanzdienstleistungsumfeld betrifft. Dies gilt für alle Branchen.

Die Kundenansprache muss verstärkt über Kundenzufriedenheit gesteuert werden. Helfen können dabei neue Technologien und Trends. Beispielsweise können mithilfe von künstlicher Intelligenz Kunden besser mit Blick auf ihre Bedürfnisse und Lebensumstände analysiert werden. Das Ziel muss sein, den Bankkunden von heute und morgen besser zu bedienen. Mithilfe der Datenanalyse lassen sich neue Produkte und Services kreieren, die sich nach den Bedürfnissen von Kunden orientieren. Auch hier gilt: KI ist sowohl ein Thema in der Finanzdienstleistung als auch in weiteren Branchen. Wichtig bei all dem ist es, Trends und Tendenzen zu antizipieren und in eigene Geschäftsmodelle umzusetzen. Das ist auch immer mit Risiken verbunden. Aber wer nichts riskiert, der kann nichts gewinnen und am Ende keinen Geschäftserfolg erwarten.

Durch die Customer Journey, also die Reise des Kunden durch die einzelnen Zyklen des Geschäftsprozesses, bestimmt der Endkunde die zukünftigen Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen. Damit hat er die Zügel in der Hand, gerade in unseren eng vernetzten und digitalen Zeiten. Von daher kommen (Bank-)Unternehmen nicht ohne eine stärkere Kundenorientierung auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft aus.

Immer mehr Menschen ziehen es vor, Waren und Dienstleistungen digital zu bezahlen. Neue digitale Zahlungsmethoden werden kontinuierlich eingeführt. Die Möglichkeit einer bargeldlosen Gesellschaft wird in den verschiedenen europäischen Ländern unterschiedlich gesehen. Immerhin 45% der deutschen Unternehmen glauben, dass wir in Deutschland innerhalb von 10 Jahren in einer bargeldlosen Gesellschaft leben werden (versus 48% im EU Durchschnitt).

Neue digitale Angebote müssen mit Hilfe von Chatfunktionen und Robotik dem Kunden erfahrbar gemacht werden. Ein wichtiges Element, um den Bankkunden nicht im "digitalen Raum" zu verlieren, sondern ihn dort abzuholen und Antworten zu geben, wo er mit seinen Fragen steht. In diesem Gefüge aus Kundenansprache und -service haben darüber hinaus direkte Ansprechpartner via Telefon ihre Daseinsberechtigung. Vielleicht heute mehr denn je.

Es scheint, als hätten die deutschen Unternehmen und gerade die Finanzindustrie die Veränderung als Chance verstanden und bereiten sich darauf vor, auch in einer digitalen Welt mit strategischen Partnerschaften ihre Kunden im jeweiligen Kerngeschäft serviceorientiert bedienen zu wollen. Mit einem guten Risiko- und Kreditmanagement kann es gelingen.


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Autor und Ansprechpartner

Ralph Bender

Business Unit Manager Banks

Ralph Bender ist seit 2017 bei der Intrum Financial Services beschäftigt und verantwortet hier die Consulting Unit für Banken und Finanzinstitute in Deutschl... (Show more)

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