Zahlungsverzug - Zeit zum Handeln

Der wirtschaftliche Gegenwind mag hart sein, aber die Unternehmen können eine Menge tun, um Zahlungsverzug zu bekämpfen und sich zu schützen. Die Frage ist nur, ob sie es auch tun.

Der European Payment Report 2022 von Intrum hat ergeben, dass viele europäische Unternehmen Vorkehrungen gegen Zahlungsverzug treffen - wobei die Vorkasse zunehmend als vorbeugende Maßnahme eingesetzt wird. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen (46 Prozent) setzt diese Strategie ein, ein Drittel nutzt Bonitätsprüfungen und ein Fünftel Kreditversicherungen.

Wenn es jedoch darum geht, die Einziehung von Forderungen zu verbessern und gegen Zahlungsverzug vorzugehen, sind viele Unternehmen unschlüssig. Mehr als jeder Vierte (26 %) hat das Gefühl, dass Zahlungsverzug sein Überleben bedroht, doch 53 % geben an, dass ihnen die Fähigkeiten und Ressourcen fehlen, um ihr Management in diesem Bereich zu verbessern.

Das ist etwas, was die Unternehmen bedenken müssen. Ich schaue gerade aus dem Fenster und sehe eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die gerade angekündigt hat, dass sie ihren Betrieb erweitern und 500 Mitarbeiter einstellen will. Wenn man mit den Angeboten dieser Firmen nicht mithalten kann, werden die Talente woanders hingehen.
Szilard Szarvas, Risk and Customer Service Manager at road toll collection business Eurotoll

Darüber hinaus machen veraltete Back-Office-Systeme das Leben schwer - 46 Prozent bezeichnen ihre Finanz- und Verwaltungssysteme als stark veraltet. Das bedeutet, dass die Unternehmen mit Zahlungsverzögerungen zu kämpfen haben, die mit dem richtigen Talent und der richtigen Technologie gelöst werden könnten.

Was tun sie also, wenn jemand zu spät zahlt?

  • Nichts: 8 Prozent unternehmen überhaupt nichts - in Österreich sind es 16 Prozent und in Finnland und Rumänien 14 Prozent.
  • Interne Mahnverfahren nutzen: Nur 29 Prozent, also weniger als ein Drittel, ergreifen relativ einfache Maßnahmen wie automatische Mahnungen, die einen erheblichen Unterschied machen können.
  • Rechtliche Schritte einleiten: mehr als die Hälfte (57 Prozent) ergreifen rechtliche Schritte gegen säumige oder nicht zahlende Kunden.
  • Zusammenarbeit mit externen Inkassobüros: Nur 17 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie sich bei Zahlungsverzug von externen Inkassobüros helfen lassen.

 

In vielerlei Hinsicht ist das seltsam. Rechtliche Schritte sind zwar ein wichtiges Instrument zur Eintreibung von Forderungen, aber wir sehen sie als letzten Ausweg, der oft unnötig ist und teuer werden kann. Wir finden, dass Gespräche mit den Kunden und das Kennenlernen ihrer Situation, das Anbieten automatisierter und digitaler Dienste und das Aushandeln von Zahlungsplänen äußerst effektiv sind. Wenn Unternehmen zu schnell rechtliche Schritte einleiten, verpassen sie möglicherweise Schritte im Prozess, die die Zahlung sichern und die Kundenbeziehung für die Zukunft besser erhalten könnten.
Pia Bach Jensen, Global Front Office Director

Verbesserungen vornehmen

Die gute Nachricht ist, dass drei Viertel der von uns befragten Unternehmen die Verbesserung ihres Forderungsmanagements zu einer strategischen Priorität für ihr Unternehmen im Jahr 2022 machen.

Von diesen...

  • 73 % werden sich auf frühe Zahlungsrückstände konzentrieren
  • 26 % beabsichtigen, mit Inkassobüros zusammenzuarbeiten
  • 22 % setzen auf digitale Optionen und neue Technologien
  • 15 % gehen strategische Partnerschaften ein
  • 10 % zentralisieren ihren Ansatz
Ein frühzeitiges Eingreifen ist entscheidend, wenn es um Zahlungsverzug und Nichtzahlung geht. Wenn sich ein Kunde in finanziellen Schwierigkeiten befindet, hilft man ihm, diese früher zu bewältigen, um die Verluste zu minimieren und die verfügbaren Lösungen zu maximieren. Unternehmen sollten Technologien, Dritte und Partnerschaften nutzen, um sicherzustellen, dass sie schnell handeln können.
Martin Brage, Global Product Development Director

Szarvas von Eurotoll stimmt dem zu. "Sobald wir bei einem Kunden ein Muster erkennen - zum Beispiel eine steigende Anzahl von Zahlungstagen oder zunehmende Zahlungsverzögerungen - müssen wir ein Gespräch darüber führen, was los ist.

Da 60 Prozent der Unternehmen befürchten, dass das Risiko des Zahlungsverzugs in diesem Jahr zunehmen wird, ist es an der Zeit, Maßnahmen zu ergreifen.

Lesen Sie den gesamten Report