European Consumer Payment Report 2026
Der ECPR gibt Einblicke in die Ansichten deutscher Konsumentinnen und Konsumenten und dient als Barometer für die wirtschaftliche Lage von Deutschland und Europa aus Konsumentensicht. Er bietet einen Überblick über die Fähigkeit der Verbraucher, Rechnungen pünktlich zu bezahlen, und beleuchtet die sich wandelnde Einstellung gegenüber Finanzen.
Verbraucher zeigen sich weiterhin widerstandsfähig
Viele deutsche Verbraucher kommen trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit weiterhin ihren finanziellen Verpflichtungen nach. Jedoch gibt es erhebliche Unterschiede innerhalb der Verbrauchergruppen. Zahlungsrückstände und die Abhängigkeit von Krediten nehmen zu.
Finanzielle Anfälligkeit sieht bei den verschiedenen Verbrauchern unterschiedlich aus
Die Fähigkeit, unerwartete Kosten aufzufangen und steigende Ausgaben zu bewältigen, variiert erheblich. Einige Verbraucher reagieren darauf mit zunehmender Vorsicht bei ihren Ausgaben, während andere auf flexible Zahlungsmöglichkeiten zurückgreifen oder Ausgaben vermeiden, um damit fertig zu werden.
Ein besseres Engagement kann verhindern, dass Probleme eskalieren
Die deutschen Verbraucher nutzen verstärkt Technologien zur Verwaltung ihrer Finanzen, und der Einsatz von KI im Bereich der privaten Finanzen hat sich verdoppelt. KI und digitale Tools können die Zugangsbarrieren zu Unterstützung senken, insbesondere für finanziell schwache Verbraucher, während menschliche Unterstützung weiterhin wichtig bleibt.
Die deutschen Verbraucher kommen zurecht, aber unter der Oberfläche wächst der Druck
Die meisten deutschen Verbraucher können ihre unmittelbaren finanziellen Verpflichtungen weiterhin erfüllen.
Die Mehrheit (67 Prozent) gibt an, zuversichtlich zu sein, die Kosten für lebensnotwendige Güter wie Lebensmittel und Kraftstoff decken zu können; 56 Prozent sind zuversichtlich, für ihre Familien sorgen zu können, und 62 Prozent können unerwartete Ausgaben in Höhe von 400 Euro decken.
Das Vertrauen lässt jedoch nach, wenn die Menschen weiter in die Zukunft blicken. Knapp die Hälfte der deutschen Verbraucher sind zuversichtlich, genug für den Ruhestand sparen zu können, 50 Prozent glauben, dass sie ohne Geldsorgen leben können, und nur 31 Prozent fühlen sich finanziell in der Lage, den Beruf zu wechseln, um einer Entlassung zu entgehen.
Diese Kluft zwischen der Bewältigung des Alltags und der Sicherheit für die Zukunft erklärt zum Teil, warum Unsicherheit das Finanzverhalten beeinflusst. Die ECPR-Erhebung 2026 zeigt zudem, dass Verbraucher sich absichern, wo sie können, gleichzeitig werden sie jedoch bei größeren Anschaffungen, beruflichen Veränderungen und anderen finanziellen Risiken vorsichtiger.
Signale unter der Überschrift „Resilienz“
Die Vorsicht gegenüber der Zukunft ist nicht nur eine Frage der Wahrnehmung: Betrachtet man die Entwicklung bei Zahlungsrückständen, so lässt sich erkennen, dass der finanzielle sehr stark Druck zunimmt. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren nehmen Zahlungsrückstände stark zu. Doch versäumte Zahlungen sind nur ein Anzeichen für diesen Druck. Die Verbraucher nehmen zudem mehr Kredite auf, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können.
Zahlungsverzögerungen nehmen zu
Nach einem Jahr der Verbesserung verzeichnet Deutschland einen deutlichen Anstieg bei verspäteten Zahlungen.
Der Anteil der Verbraucher, die Zahlungs-verzögerungen melden, hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt und stieg von 26 Prozent auf 53 Prozent. Diese Entwicklung wird hauptsächlich von Verbrauchern getragen, die gelegentlich in Zahlungsverzug geraten und zwei bis vier verspätete Zahlungen angeben.
Auf eine Zunahme struktureller oder wiederkehrender Zahlungsausfälle lassen die Daten derzeit nicht schließen. Es bleibt abzuwarten, ob es sich hierbei um eine vorübergehende Entwicklung oder den Beginn eines längerfristigen Trends handelt.
Zunehmende Kreditaufnahme, um Rechnungen zu bezahlen
71 Prozent geben an, in den letzten sechs Monaten Geld geliehen oder eine Kreditkarte genutzt zu haben, um eine Rechnung zu bezahlen, dies ist der höchste Anteil seit 2019. Dies verkompliziert das Bild der Widerstandsfähigkeit der Verbraucher.
Gelegentliche Kreditaufnahmen oder vereinzelte Zahlungsverzögerungen bedeuten nicht, dass sich ein Haushalt in finanziellen Schwierigkeiten befindet. Der Anstieg beider Faktoren deutet jedoch darauf hin, dass die allgemeinen Vertrauenszahlen allein nicht das vollständige Bild der finanziellen Gesundheit der Deutschen widerspiegeln.
Alle Details im Überblick
ECPR 2026 Daten von Deutschland
Finanzieller Druck führt nicht zu einem einheitlichen Verhaltensmuster
Die Ergebnisse aus dem Jahr 2026 stellen zudem einfache Annahmen darüber in Frage, wie Verbraucher reagieren, wenn das Geld knapper wird.
Immer mehr Verbraucher versuchen, sich abzusichern: 57 Prozent legen sich einen Notgroschen an, und 52 Prozent geben an, dass sie dem Sparen Vorrang einräumen, selbst wenn sie dafür auf Dinge verzichten müssen, die ihnen Spaß machen.
Gleichzeitig geben 29 Prozent an, dass sie Geld ausgeben, um sich besser zu fühlen, wenn sie gestresst, ängstlich oder gelangweilt sind, ein deutlicher Anstieg gegenüber 23 Prozent im Jahr 2025.
Verbraucher können daher gleichzeitig finanziell absichernde und potenziell schädliche Verhaltensweisen an den Tag legen. Um die finanzielle Gesundheit zu verstehen, muss man die Kombination aus Verhaltensweisen und Umständen hinter den Zahlen betrachten, anstatt Menschen einfach als „verantwortungsbewusst“ oder „unverantwortlich“ abzustempeln.
Bei manchen Verbrauchern führt finanzieller Druck zur Vermeidung
Bei manchen Verbrauchern nimmt die emotionale Reaktion auf finanziellen Druck eine andere Form an: Sie ziehen sich zurück.
Jeder Zweite, der mit Schulden zu kämpfen hat, vermeidet es, sich mit seinen Schulden auseinanderzusetzen, weil ihm das Angst macht. Die Daten des Money Management Index zeigen, dass dies nicht gleichmäßig verteilt ist. Besorgniserregend ist, dass dieses Verhalten (z. B. das Vermeiden von Kontostands Abfragen, Korrespondenz und dem Öffnen von Rechnungen) am häufigsten bei denjenigen auftritt, deren finanzielle Situation am schwächsten ist.
Das kann zu einem sich selbst verstärkenden Kreislauf führen. Finanzielle Schwierigkeiten verursachen Ängste, Ängste halten vom Handeln ab, und durch das aufgeschobene Handeln wird das Problem schließlich noch schwerer zu lösen.
Dies führt zudem zu einem schwierigen Paradoxon: Gerade diejenigen, die am dringendsten Unterstützung benötigen, sind am schwersten anzusprechen. Der Weg zur Unterstützung muss Reibungsverluste, Stigmatisierung und die Angst vor Verurteilung minimieren. Dies ist ein wichtiger Aspekt bei der Gestaltung der Kommunikation und der Kanäle.
Andere setzen auf flexible Zahlungsbedingungen, um ihre Finanzen zu verwalten
Eine weitere Reaktion auf den Druck besteht darin, nach mehr Flexibilität hinsichtlich des Zeitpunkts der Zahlungen zu suchen. BuyNow-PayLater gibt Verbrauchern mehr Kontrolle darüber, wann Kosten ihr Haushaltsbudget belasten, und kann ein nützliches Instrument zur Liquiditätssteuerung sein.
Die Daten zeigen, dass BuyNow-PayLater in Europa zunehmend genutzt wird: 57 Prozent der europäischen Verbraucher haben einen solchen Dienst bereits einmal in Anspruch genommen, während 4 von 10 dies in den letzten 12 Monaten getan haben. Deutschland führt die Liste mit 59 Prozent im Ländervergleich an.
Die zunehmende Nutzung zeigt, dass der Zeitpunkt der Zahlung selbst zu einem Bestandteil der finanziellen Absicherung der Verbraucher wird. Die Akzeptanz variiert jedoch erheblich innerhalb Europas, was die Nuancen hinter der europaweiten Zahl verdeutlicht.
Für manche eine Erleichterung, für andere jedoch ein Bewältigungsmechanismus
Die Nutzung von BuyNow-PayLater an sich ist nicht besorgniserregend. Besorgniserregend ist es jedoch, wenn es als Bewältigungsstrategie eingesetzt wird.
81% der gefährdeten Verbraucher nutzen BuyNow-PayLater mindestens einmal im Monat, gegenüber 30% der Verbraucher, die BuyNow-PayLater als Bewältigungsstrategie nutzen, und 8% der widerstandsfähigen Verbraucher.
Da BuyNow-PayLater nun in den Geltungsbereich der überarbeiteten Verbraucherkreditrichtlinie (CCD2) fällt, wird der Schutz der Verbraucher vor einer übermäßigen Abhängigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Der Einsatz von KI im Bereich der privaten Finanzen hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt
In Deutschland ist die allgemeine KI-Nutzung zur Finanzverwaltung im privaten Bereich besonders hoch und liegt der bei fast der Hälfte der befragten Verbraucher. Dies zeigt, dass KI rasch Einzug in die alltägliche Finanzverwaltung hält und eine große Hilfe für diejenigen sein könnte, die zuvor möglicherweise Schwierigkeiten mit ihren privaten Finanzen hatten. Zudem ist ein Rückgang des Anteils der Verbraucher zu verzeichnen, die Bedenken haben, ihre persönlichen Daten an KI weiterzugeben. In unserer Studie ist es eine Verringerung von 60 Prozent auf 37 Prozent, was ein insgesamt größeres Vertrauen in die Technologie und die Regulierung widerspiegelt.
KI könnte dabei helfen, die Verbraucher zu erreichen, deren Einbindung am wichtigsten ist
Je vertrauter die Verbraucher mit KI werden, desto offener stehen sie auch deren Einsatz im Zahlungsverkehr gegenüber.
Ihr Einsatz könnte sogar dazu beitragen, die Kluft zu finanziell schwachen Verbrauchern zu überbrücken, die überproportional häufig Rechnungen, Kontostände und Mitteilungen von Gläubigern meiden.
Die Zukunft der Zahlungsunterstützung mag „Digital-First“ sein, aber nicht ohne menschliche Beteiligung
Das soll nicht heißen, dass „Digital-First“-Ansätze auch ohne menschliche Beteiligung auskommen. Den Verbrauchern ist es einfach weniger wichtig, woher ihre Zahlungsunterstützung kommt, solange das Ergebnis schnell und fair ist.
59 Prozent ist es egal, ob sie es mit einer KI oder einem Menschen zu tun haben, während 69 Prozent angeben, dass sie einer KI mehr vertrauen würden, wenn sie wüssten, dass sie bei Bedarf die Möglichkeit hätten, mit einem Menschen zu sprechen. Das insgesamt bevorzugte Modell ist ein hybrides. KI bietet Schnelligkeit und weniger Angst vor einer Beurteilung, aber die Eskalation an einen Menschen stellt sicher, dass Fälle auf Kurs bleiben, wenn die KI nicht helfen kann, und bietet den Verbrauchern Sicherheit.
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Methodik im Überblick
Der ECPR bietet einen Überblick über die Fähigkeit der Verbraucher, Rechnungen pünktlich zu bezahlen, und beleuchtet den Wandel ihrer Einstellung zu finanziellen Verpflichtungen. Er basiert auf Forschungsdaten von 20.000 Verbrauchern in 20 europäischen Ländern, die im Juli und August 2026 erhoben wurden.
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