European Consumer Payment Report 2026

Deutsche Verbraucher bleiben resilient, doch der finanzielle Druck wächst

Der European Consumer Payment Report (ECPR) 2026 liefert Einblicke in die finanzielle Situation deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher und zeigt, wie sie auf anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten reagieren. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Während viele Menschen ihre laufenden finanziellen Verpflichtungen weiterhin erfüllen können, nehmen Zahlungsrückstände und die Nutzung von Krediten zu.

Alltag finanzierbar, Zukunft sorgt für Unsicherheit

Die Mehrheit der deutschen Verbraucher kommt derzeit mit ihren laufenden Ausgaben zurecht. 67 Prozent sind zuversichtlich, die Kosten für grundlegende Bedürfnisse wie Lebensmittel und Mobilität decken zu können. 62 Prozent können unerwartete Ausgaben von 400 Euro finanzieren.

Mit Blick auf die langfristige finanzielle Sicherheit sinkt das Vertrauen jedoch deutlich. Nur etwa die Hälfte der Befragten glaubt, ausreichend für den Ruhestand vorsorgen oder langfristig ohne finanzielle Sorgen leben zu können. Diese Unsicherheit beeinflusst zunehmend das Finanzverhalten der Verbraucher.

Zahlungsrückstände und Kreditnutzung nehmen zu

Trotz der insgesamt hohen Widerstandsfähigkeit der Verbraucher zeigen sich Anzeichen zunehmenden finanziellen Drucks. Der Anteil der Befragten, die im vergangenen Jahr verspätete Zahlungen meldeten, stieg von 26 auf 53 Prozent. Gleichzeitig geben 71 Prozent an, innerhalb der letzten sechs Monate Kredite oder Kreditkarten genutzt zu haben, um Rechnungen zu bezahlen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2019.

Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass viele Haushalte ihre finanzielle Stabilität zunehmend durch zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten absichern.

Unterschiedliche Strategien im Umgang mit finanziellem Druck

Die Studie zeigt, dass Verbraucher sehr unterschiedlich auf finanzielle Belastungen reagieren. Einerseits bauen viele gezielt finanzielle Reserven auf: 57 Prozent legen einen Notgroschen an, 52 Prozent priorisieren das Sparen auch dann, wenn sie dafür auf persönliche Wünsche verzichten müssen.

Andererseits greifen einige Verbraucher auf Verhaltensweisen zurück, die ihre finanzielle Situation langfristig belasten können. So geben 29 Prozent an, bei Stress, Sorgen oder Langeweile gezielt Geld auszugeben, um sich besser zu fühlen.

Finanzielle Schwierigkeiten führen häufig zu Vermeidungsverhalten

Besonders kritisch ist der Umgang mit bestehenden Schulden. Jede zweite Person mit finanziellen Schwierigkeiten vermeidet es, sich aktiv mit ihren Verbindlichkeiten auseinanderzusetzen. Das kann einen Kreislauf aus finanziellen Problemen, wachsender Angst und weiterem Aufschieben auslösen.

Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig leicht zugängliche und wertungsfreie Unterstützungsangebote sind, um betroffene Verbraucher frühzeitig zu erreichen.

Flexible Zahlungsmodelle gewinnen an Bedeutung

Auch flexible Zahlungsformen wie Buy Now, Pay Later (BNPL) werden zunehmend genutzt. Deutschland zählt dabei zu den Ländern mit der höchsten Verbreitung in Europa. Für viele Verbraucher dienen solche Lösungen der besseren Steuerung ihrer Liquidität. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass insbesondere finanziell gefährdete Verbraucher besonders häufig auf diese Angebote zurückgreifen.

Mit der Einbeziehung von BNPL-Angeboten in die überarbeitete Verbraucherkreditrichtlinie gewinnt der Verbraucherschutz in diesem Bereich weiter an Bedeutung.

KI wird Teil der persönlichen Finanzverwaltung

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Verwaltung privater Finanzen hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Bereits knapp die Hälfte der deutschen Verbraucher nutzt KI-gestützte Anwendungen im Finanzalltag.

Gleichzeitig sinken die Vorbehalte gegenüber der Technologie deutlich. Viele Verbraucher sehen in KI die Möglichkeit, finanzielle Informationen einfacher zugänglich zu machen und Unterstützung schneller zu erhalten.

Die Zukunft der Zahlungsunterstützung ist hybrid

Die Ergebnisse zeigen, dass Verbraucher vor allem schnelle, faire und unkomplizierte Lösungen erwarten. Dabei spielt es für viele keine große Rolle, ob die Unterstützung durch eine KI oder einen Menschen erfolgt. Entscheidend ist die Möglichkeit, bei Bedarf persönliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können.

Der ECPR 2026 deutet daher auf ein hybrides Modell der Zukunft hin: Digitale Lösungen können den Zugang zu Unterstützung erleichtern, während menschliche Beratung weiterhin eine zentrale Rolle spielt, insbesondere bei komplexen finanziellen Situationen.


Download & weitere Informationen

Der vollständige deutsche Report steht unter intrum.de/ecpr2026 zur Verfügung.

Der European Consumer Payment Report 2026 basiert auf einer Onlinebefragung von 20.000 Konsumentinnen und Konsumenten in 20 europäischen Ländern. Für Deutschland wurden 1.000 Personen ab 18 Jahren befragt, die allein oder teilweise für die Verwaltung ihrer persönlichen Finanzen oder der Haushaltsfinanzen verantwortlich sind.

FT Longitude führte die Studie im Auftrag von Intrum durch. SG Analytics verantwortete die Datenerhebung vom 9. Juli bis 20. August 2026. Die Schweizer Stichprobe wurde nach Alter, Geschlecht und Region gesteuert. 


Über Intrum

Intrum ist der führende Anbieter von Credit-Management Services in Europa. Das Unternehmen unterstützt andere Unternehmen dabei, ihre finanzielle Stabilität zu verbessern und ihre Kundenbeziehungen nachhaltig zu stärken. Intrum Deutschland bietet im Bereich Forderungsmanagement ein umfassendes Leistungsspektrum an, das von der vorgerichtlichen und gerichtlichen Beitreibung von Forderungen über die Langzeitüberwachung und Insolvenz bis hin zum Forderungskauf und weiteren Lösungen im Debitorenmanagement reicht. 

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