Die finanzielle Kluft hinter flexiblen Zahlungsmodellen

Die aktuelle Studie Intrum European Consumer Payment Report und die Daten für Deutschland zeigen, dass BuyNow-Pay Later (BNPL)-Angebote, die es Verbraucherinnen und Verbrauchern ermöglichen, Einkäufe in kleineren Raten zu begleichen oder Zahlungen aufzuschieben, inzwischen zum Mainstream geworden sind.

Die wichtigsten Punkte des Artikels

  • BNPL (Buy Now, Pay Later) ist zu einem gängigen Bestandteil der Zahlungsweise deutscher Verbraucher geworden, im europäischen Vergleich steht Deutschland an der Spitze.
  • Verbraucher nutzen Zahlungsflexibilität aus sehr unterschiedlichen Gründen, von Bequemlichkeit bis hin zur Bewältigung finanzieller Belastungen.
  • Flexible Zahlungsoptionen haben einen immer größeren Einfluss darauf, wo und wie Verbraucher ihr Geld ausgeben.
  • Verantwortungsvoller Umgang mit Krediten wird immer wichtiger: Ab November 2026 werden neue EU-Verbraucherkreditregeln strengere Bonitätsprüfungen und einen besseren Schutz für gefährdete Verbrauche

Marktforschungsdaten zufolge verzeichnete der europäische BuyNow-PayLater-Markt zwischen 2022 und 2025 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 19,1 %. Das Marktvolumen soll von 197,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 406,2 Milliarden US-Dollar bis 2031 steigen.

Mit der zunehmenden Verbreitung von BuyNow-PayLater zeigen die European Consumer Payment Report-Daten jedoch, dass Verbraucherinnen und Verbraucher diese Zahlungsform auf unterschiedliche Weise nutzen. Finanziell stabile Personen setzen BNPL vor allem aus Gründen der Bequemlichkeit ein. Weniger finanziell widerstandsfähige Verbraucher nutzen die Angebote hingegen häufiger, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken, notwendige Anschaffungen zu finanzieren oder Käufe zu tätigen, die sie sich ansonsten nicht leisten könnten.

Dies ist deshalb bedeutsam, weil BuyNow-PayLater letztlich eine Form der Verschuldung darstellt, die verantwortungsvoll gemanagt werden muss. Unternehmen und politische Entscheidungsträger sollten daher verstehen, wer BuyNow-PayLater nutzt, aus welchen Gründen dies geschieht und welche Auswirkungen dies auf die Zukunft des Zahlungsverkehrs sowie auf die finanzielle Resilienz von Verbraucherinnen und Verbrauchern hat.

Zahlungsflexibilität ist fest im Konsumverhalten verankert

BuyNow-PayLater ist längst keine Nischen-Zahlungsmethode mehr. Mehr als die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher (59 %) gibt an, diese Zahlungsform bereits genutzt zu haben. Vier von zehn Befragten haben BuyNow-PayLater innerhalb der letzten zwölf Monate verwendet.

Zwischen den Generationen zeigen sich Unterschiede. Angehörige der Generation X und Millennials nutzen BuyNow-PayLater deutlich häufiger als die Generation Z und die Babyboomer. 

Viele deutsche Verbraucher nutzen BuyNow-PayLater regelmäßig: Mehr als die Hälfte greifen mindestens alle paar Monate auf entsprechende Angebote zurück. Gleichzeitig beeinflusst BuyNow-PayLater zunehmend die Kaufentscheidung: 39 Prozent der Befragten geben an, eher bei Anbietern einzukaufen, die BuyNow-Pay Later-Optionen anbieten. Im Jahr 2025 lag dieser Wert noch bei 21 Prozent.

Selbst wenn keine klassischen BuyNow-PayLater -Angebote verfügbar sind, wünschen sich Konsumenten flexible Zahlungsmodelle. 43 Prozent gibt an, eher Geld für Dienstleistungen von Handwerksbetrieben und kleinen Unternehmen auszugeben, wenn Zahlungen über einen längeren Zeitraum gestreckt werden können.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass Zahlungsflexibilität zunehmend Teil des Kundennutzens wird und nicht mehr ausschließlich als Finanzierungsinstrument betrachtet werden sollte. Unternehmen können durch zusätzliche Wahlmöglichkeiten beim Zahlungszeitpunkt einen Wettbewerbsvorteil erzielen.

Mit dieser Entwicklung geht jedoch auch Verantwortung einher. Je stärker BuyNow-PayLater verbreitet ist, desto wichtiger wird es für Unternehmen, zwischen einer sinnvollen finanziellen Flexibilität und Verhaltensweisen zu unterscheiden, die auf finanzielle Schwierigkeiten hindeuten oder solche sogar verschärfen könnten.

Die Nutzung von BuyNow-PayLater offenbart eine finanzielle Kluft

Die allgemeinen Nutzungszahlen verdecken eine deutliche Spaltung: 90 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher mit angespannter finanzieller Situation haben BuyNow-PayLater innerhalb des vergangenen Jahres genutzt, gegenüber lediglich 18 Prozent der finanziell resilienten Befragten. Zudem nutzen Personen mit finanziellen Schwierigkeiten die Angebote deutlich häufiger: 81 Prozent verwenden BuyNow-PayLater mindestens einmal pro Monat, verglichen mit nur 8 Prozent der finanziell stabilen Gruppe.

Die häufige Nutzung allein beweist zwar nicht, dass BuyNow-PayLater finanzielle Probleme verursacht. Die Nutzungsgründe zeigen jedoch, dass BuyNow-PayLater für finanziell belastete Menschen eine andere Funktion erfüllt. Etwas mehr als jeder Zehnte finanziell vulnerable Person (14 Prozent) gibt an, BuyNow-PayLater zu nutzen, weil sie sich bestimmte Einkäufe sonst nicht leisten könnte. Bei den befragten finanziell resilienten Verbrauchern liegt dieser Anteil bei 0 Prozent .

Darüber hinaus nutzen finanziell angeschlagene Verbraucher BuyNow-PayLater häufiger zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen, für notwendige Ausgaben oder als Alternative zu Kreditkarten und Dispokrediten. Finanzstarke Konsumenten nennen dagegen vor allem Komfort und einfache Handhabung als Beweggründe.

Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass Unternehmen BuyNow-PayLater-Angebote einschränken sollten. Viele Verbraucher können solche Lösungen verantwortungsvoll nutzen, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Es ist jedoch entscheidend, mögliche Abhängigkeiten frühzeitig zu erkennen, bevor sich Probleme verschärfen. Die Nutzungshäufigkeit, die Finanzierung notwendiger Ausgaben über BuyNow-PayLater, versäumte Rückzahlungen oder Veränderungen im Zahlungsverhalten können wichtige Hinweise auf finanzielle Risiken liefern. So können Unternehmen potenzielle Probleme erkennen, idealerweise bevor Zahlungsausfälle eintreten.

BuyNow-PayLater rückt stärker in den Fokus der Regulierung

Die wachsende Popularität von BuyNow-PayLater sowie die unterschiedlichen Nutzungsmuster finanziell stabiler und finanziell belasteter Verbraucher erklären, warum der Sektor zunehmend regulatorische Aufmerksamkeit erhält.

Im Oktober 2023 überarbeitete die Europäische Union die Verbraucherkreditrichtlinie (Consumer Credit Directive 2, CCD2) und bezog damit die meisten BuyNow-PayLater-Angebote in den regulatorischen Rahmen ein. Ab dem 20. November 2026 müssen BuyNow-PayLater-Anbieter in Europa die neuen Vorgaben erfüllen.

Nach den neuen Regelungen sind Anbieter verpflichtet, vor der Gewährung ihrer Dienste die Kreditwürdigkeit der Kunden zu prüfen, um sicherzustellen, dass diese ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen können. Angesichts der European Consumer Payment Report-Ergebnisse ist dieser Schutz besonders relevant, da eine sorgfältigere Prüfung frühzeitig auf finanzielle Verwundbarkeiten hinweisen kann.

Zudem verpflichtet CCD2 die Anbieter dazu, Verbraucherinnen und Verbrauchern in finanziellen Schwierigkeiten Zugang zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten zu ermöglichen.

Wie wirksam diese Maßnahmen in der Praxis sein werden, wird sich mit der Zeit zeigen. Anbieter müssen die Nutzung ihrer BuyNow-PayLater-Produkte kontinuierlich beobachten und angemessen reagieren, wenn Anzeichen finanzieller Schwierigkeiten auftreten. Gleichzeitig sind Regulierungsbehörden gefordert, fortlaufend zu prüfen, ob die neuen Vorschriften tatsächlich zum Schutz vulnerabler Verbraucher beitragen. Die Europäische Kommission wird CCD2 bis zum 20. November 2029 evaluieren und damit eine erste umfassende Überprüfung ermöglichen.

Flexibilität muss nachhaltig gestaltet werden

Das Wachstum von BuyNow-PayLater spiegelt den zunehmenden Wunsch der Verbraucher wider, selbst zu bestimmen, wann und wie sie bezahlen. Mit der steigenden Nutzung wird es jedoch immer wichtiger zu verstehen, wer diese Angebote nutzt und aus welchen Gründen.

Die Ergebnisse des European Consumer Payment Report zeigen, dass insbesondere Verbraucher mit einer schwachen finanziellen Situation BuyNow-PayLater auf eine Weise einsetzen, die ihre Probleme verschärfen könnte. Eine zunehmende Abhängigkeit von solchen Zahlungsmodellen kann dazu führen, dass sich Rückzahlungsverpflichtungen aufbauen, die langfristig nicht mehr tragbar sind.

Um dies zu vermeiden, sollten Unternehmen Veränderungen im Zahlungsverhalten ihrer Kunden frühzeitig erkennen und bei Bedarf passende Unterstützungsangebote bereitstellen. Gleichzeitig müssen politische Entscheidungsträger sicherstellen, dass die Schutzmechanismen der CCD2 in der Praxis wirksam greifen und finanziell vulnerable Verbraucher nach Inkrafttreten der Richtlinie nicht weiterhin überproportional von problematischer BNPL-Nutzung betroffen sind.

Da BuyNow-PayLater zunehmend zu einem festen Bestandteil der deutschen Zahlungslandschaft wird, hängt die langfristige Tragfähigkeit dieses Modells davon ab, Zahlungsflexibilität und verantwortungsvolle Kreditvergabe in Einklang zu bringen. Entscheidend ist dabei die Erkenntnis, dass ein pauschaler Ansatz nicht funktionieren wird. Nur wenn individuelle Lebenssituationen berücksichtigt und Warnsignale frühzeitig erkannt werden, kann Zahlungsflexibilität geboten werden, ohne das finanzielle Wohlergehen der Verbraucher zu gefährden.